Westlich
des Plattensees, durch hintereinander liegende Hügelketten getrennt, dehnt sich
der Kleine-Balaton aus, der mit seinen Geheimnissen, seiner alten Lebensweise
und der besonderen Vogelwelt schon immer die Liebhaber der Natur und Wissenschaft
anzog. Die mächtige, westliche Bucht des Sees breitete sich ehemals hier, in drei
Becken unterteilt aus, das größte Becken war das auch heute als Klein-Balaton
bezeichnete Seebecken. Aus dem einst 60 Km2 großen Wassergebiet gibt
es heute nur noch eine halbe Km2 freie Wasserfläche, die anderen Flächen
hat schon der Torf und die Ablagerung des Schlammes der hier durchfließenden Zala
bedeckt. Die Ablagerungen haben heute eine Dicke von 3-4 m. 1483 sind noch Pilger
hier durchgezogen, oft in Kämpfe und Wasserschlachten verwickelt. In türkischen
Zeiten waren fast ständig Kleinkriege an seinem Ufer, später, im XIII. und XIX.
Jahrhundert, fuhren zwischen den Ufern die Kähne der Fährmänner. Dies bis 1839,
bis die Ufer durch eine Brücke bei Fenékpuszta zusammengerückt und damit der kleine
vom großen Balaton abgetrennt wurde. Eine mächtige Dürre herrschte daraufhin zwischen
1834 und 1837, auch die Luft hatte den Geschmack von Staub und da entstand der
Plan eine grob e Aufschüttung herzustellen, die zwei Teile des Sees mit einer
Brücke zu trennen, um einen direkten, fahrbaren Weg zwischen dem Somogyer- und
Keszthelyer-Uferabschnitt zu gewinnen. Die Folge war dann die Austrocknung im
Jahre 1922, weil die Zala ihr Wasser in den Balaton und nicht mehr in den Klein-Balaton
lieferte, woraufhin der Kleine-Balaton größtenteils verschwand. Schilfbedeckte,
sumpfige Gebiete blieben an seiner Stelle. Die zwei kleinen inneren Seen existieren
aber noch, sie sind heute Naturschutzgebiete, mögliche Beobachtungsorte für Reiher
und andere seltene Vögel. In ihrer Nahe, auf der mit großen Bäumen umrahmten Dias-Insel
unterhält der Landesumweltschutz- und das Naturschutzamt eine Warte. Die mächtige
Schilfwildnis, die auch noch heute fast 1800 ha beträgt, durchschneidet die Zala.
Das Klein-Balaton Reservat darf nur mit der Erlaubnis des Landesumwelt- und Naturschutzsamtes
betreten werden. In letzter Zeit strebte man an, mit Entwässerungen die verbliebenen
feuchten Gebiete trocken zu legen und zu Weiden und Ackerland umzugestalten. Vom
heutigen Gebiet des Klein-Balatons wurden 1403 ha für geschützt erklärt, dies
sichert die Störfreiheit und den Lebensraum der Wasservögel. Beinahe 80 nistende
Vogel-Arten werden hier beobachtet, solche, die westlich von uns nicht mehr vorkommen
und solche auch, denen dieses Gebiet der südlichste Brutort ist. Auf dem Gebiet
des Klein-Balatons leben in großer Zahl u.a. der Große Reiher, der Kleine Reiher
und die Scharbe oder der Kormoran. Auf den für das Ansiedeln geeigneten Gebieten
des Klein-Balatons erstrecken sich die Fürster-Auen. Die einheimischen Weiden-,
Pappel-, Erlenbäume, die Stieleichen- und Ulmenauen gedeihen immer mehr, machen
die Gegend schön und stimmungsvoll und sind wunderbare Nistorte für Vögel. Der
Schlamm der Zala, die den See damit verunreinigte, soll nach den neuen Plänen
demnächst entfernt werden. Mit der Verbindung des Klein-Balaton's mit dem großen
See , also mit der Wiederherstellung der alten Verhältnisse, hat man somit wesentliche
Verbesserungen vor. Diese Seen-Verbindung würde nämlich den freien Wasserspiegel
erhöhen und so die Lebensorte der geschützten Vogelwelt vergrößern, also würde
nicht nur dem Balaton, sondern auch dem Natur- und Artenschutz helfen.